Ledigenheim Rehhoffstraße

Das 1912 erbaute Ledigenheim, Wohnheim für alleinstehende Männer, Denkmal der Hamburger Kultur- und Sozialgeschichte und Kulturort in der südlichen Neustadt ist heute das letzte seiner Art in Hamburg. Das Heim für alleinstehende Männer mit seinen 112 Zimmern, großzügigen Gemeinschaftsräumen, seinem Speise- und Lesesaal, dem Kulturraum und dem Pförtner, der auch für die Nachbarschaft ein offenes Ohr hat, ist eine gewachsene Institution im Alltag der Neustadt. Im Laufe vieler Jahrzehnte lebten hier Seemänner, Hafenarbeiter und Monteure unter einem Dach und vielfach ein Leben lang. So hat sich hier ganz von selbst ein Mehrgenerationenprojekt im Herzen der Stadt entwickelt.

Die Einrichtung ist jedoch jahrelang vernachlässigt worden und war dadurch in den letzten Jahren in ihrem Bestehen stark gefährdet. Dabei hat die Idee der Ledigenheime, Alleinstehenden und Durchreisenden ein Leben ohne Not und ein behütetes Zuhause in familienähnlichen Strukturen zu ermöglichen, an Aktualität nicht verloren.

Als nachbarschaftliche Initiative Ros setzen wir uns seit 2011 gemeinsam mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern, der Hamburger Politik und Verwaltung, Nachbarn, Bewohnern und Organisationen für den Erhalt dieser einzigartigen sozialen Institution ein.

Gegenüberstellung - Früher & Heute

Das Ledigenheim ist historisch mit deutlich herausgestellter straßenseitiger Fassade geplant und baulich umgesetzt worden. Das Dach wurde seinerzeit gestalterisch ebenfalls hervorgehoben. Das historische Dach des Ledigenheims ist im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und danach als Walmdach wieder aufgebaut worden.

In einer historischen Quelle heißt es: „ … Erst vor kurzem ist das neue Ledigenheim, das den Verblendsteinbau mit seinen schmucken deutschen Giebeln und grünen Dacherkern vor dem grauen Pfannendach wirkungsvoll abschließt, vollendet und von Senatsmitgliedern und ihren Damen offiziell besichtigt worden. Nun ist es bereits zum größten Teil bezogen und in seiner hygienisch wie bautechnisch gleich einwandfreien Ausführung gewiß einer Würdigung wert. Das Ledigenheim enthält 112 Einzelzimmer, die – nur von männlichen Mietern – für je 13 bis 17 Mark monatlich zu haben sind ...“ (vermutlich aus dem aus dem Hamburger Fremdenblatt Herbst 1913)

Der Innenraum des gesamten Ledigenheims war hochwertig ausgestaltet, wobei der Terrazzoboden und das ursprüngliche Treppenhaus heute noch vorhanden sind. Das zentral gelegene Treppenhaus besitzt ein mit dekorati- ven Elementen versehenes schmiedeeisernes Geländer mit Mahagoni-Hand- lauf. Die Belichtung erfolgt durch schräg gestellte, heute mit verschiedenfar- bigem Glas bestückte Sprossenfenster. Die Erdgeschossbereiche des Gebäudes wurden als Sozial- oder Gemein- schaftsraum und zur Unterbringung der Hausangestellten genutzt. Am Treppenaufgang befindet sich das zum Eingang offene Verwalterbüro / die spätere Pförtnerloge, gegenüber befand sich ursprünglich der Eingang zum gemeinschaftlich genutzten Lese- und Speisesaal.

Der Gemeinschaftsraum zeichnete sich in seiner ursprünglichen Form durch einen großzügigen Schnitt, eine repräsentativ wirkende Raumhöhe von 3,50 Meter und aufwendig gestaltete Holzvertäfelungen aus. Die Ge- meinschaftsräume im Erdgeschoss wurden jedoch bereits nach dem Krieg getrennt vom Ledigenheim separat vermietet. Von der ursprünglichen Ein- richtung ist heute leider nichts mehr vorhanden.

Der Grundriss mit seinen kleinen Einzelzimmern ist außer im Dachgeschoss, das im Krieg zerstört wurde, noch in seiner ursprünglichen Form er­halten. Auf jedem Geschoss befinden sich 34 in etwa gleich große Räume, die heute als Schlafzimmer, Bäder, Küchen oder Waschräume genutzt werden.